Testosteron und seine Auswirkungen auf die männliche und weibliche Fruchtbarkeit - Instituto Bernabeu

Testosteron ist ein androgenes Sexualhormon, das vorwiegend in den Hoden produziert wird, wobei auch die Nebennieren kleine Mengen absondern.

Es gilt als das wichtigste androgene Hormon bei Männern, da es einen Einfluss auf die Spermatogenese, auf die Entwicklung der sekundären Merkmale und auf die Geschlechtsdifferenzierung in der Fetalperiode hat. Dennoch kommt Testosteron auch bei Frauen vor und übt bei ihnen konkrete Funktionen aus.

Was ist Testosteron?

Testosteron ist ein Steroid- und Sexualhormon, das durch Umwandlung von Cholesterin gebildet wird und zur Gruppe der Androgene gehört. Es ist das wichtigste Hormon in den Hoden und wird vor allem von den Leydig-Zellen synchronisiert, obwohl es auch von den Nebennieren ausgeschieden wird.

Bei Frauen wird es in kleine Mengen in den Thekazellen der Follikel produziert. Anschließend wird es durch Einwirkung bestimmter Enzyme in den Granulosazellen zu Estradiol, dem wichtigsten weiblichen Sexualhormon.

Die Produktion von Testosteron wird durch das LH (luteinisierende Hormon) geregelt, das von der Hypophyse ausgeschieden wird, wenn der Testosteronspiegel niedrig ist.

Welches ist die Funktion von Testosteron beim Mann?

Testosteron ist das wichtigste Sexualhormon bei Männern. Während der ersten Wochen der embryonalen Entwicklung ist Testosteron, zusammen mit dem Hemmstoff des Müller-Gangs, für die männliche Geschlechtsdifferenzierung verantwortlich. Der Metabolit von Testosteron, das Dihydrotestosteron, bewirkt die Bildung der äußeren männlichen Geschlechtsteile und die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale.

Die Produktion von Testosteron steigt bei Erreichen der Pubertät, und seine Funktionen sind:

  • Wachstum der äußeren Geschlechtsteile
  • Wachstum der inneren Geschlechtsteile: Bläschendrüsen, Prostata und Bulbourethraldrüsen.
  • Phänotypische Veränderungen: die Stimme wird tiefer, Wachstum des Schamhaars männlichen Typs und Beginn des Bartwuchses.
  • Erhöhung der Muskel- und Knochenmasse.
  • Psychische Schwankungen: aggressiveres Auftreten, sexuelles Verlangen, Erhöhung der Libido…
  • Stimuliert die Sertoli-Zellen zur Produktion von Spermien.
  • Beeinflusst die Reifung der Spermien (Spermiogenese).

Welches ist die Funktion von Testosteron bei der Frau?

Bei Frauen ist Testosteron ebenfalls wichtig, als Vorläufer für die Synthese des Estradiol (wichtigstes weibliches Sexualhormon). Das Testosteron wird im Eierstock und in den Nebennieren synthetisiert, und zusammen mit anderen Androgenen üben sie eine wichtige Funktion für den Stoffwechsel der Knochen, das sexuelles Verlangen und die kognitiven Vorgänge aus.

Die angemessene Follikelentwicklung wird ebenfalls von den Androgenen geregelt. Hohe Spiegel sind bei Patienten mit Polyzystischem Ovar-Syndrom (POS) zu beobachten und führen zu einem anormalen und dysfunktionalen Wachstum der Antralfollikel.  

In verschiedenen Studien wurde aufgezeigt, dass die Androgene die Synthese der FSH-Rezeptoren stimuliert, dem entscheidenden Hormon für die Follikelentwicklung und die Follikelauswahl.

Welches sind die normalen Testosteronwerte?

Der Testosteronspiegel schwankt im Laufe des Tages und steigt in der Nacht an. Die Messung dieses Spiegels erfolgt durch eine Blutanalyse.

Das meiste Testosteron (98%) findet sich an Proteine gebunden. Diese Proteine sind das Albumin und das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG). Die andere Fraktion namens freies Testosteron ist, wie der Name schon sagt, nicht an Proteine gebunden.

Es muss betont werden, dass der Bereich der Normalität unter den Labors schwanken kann, und daher muss diese Information immer von einem auf dem Gebiet erfahrenen Fachmann ausgewertet werden.

Die gesamte normale Plasmakonzentration von Testosteron liegt zwischen 300 und 1000 ng/dl bei Männern. Und bei Frauen, wie zuvor beschrieben, ist der Spiegel niedriger, wobei der normale Bereich zwischen 30-70 ng/dl liegt.

Warum können die Testosteronwerte zurückgehen?

Der Testosteronspiegel kann im Laufe der Jahre zurückgehen. Niedrige Spiegel können bei Männern allerdings verschiedene Ursachen haben:

  • Trauma, Chirurgie oder Hodeninfektion.
  • Behandlung des Hodenkrebs mit Chemotherapie oder Radiotherapie.
  • Insuffizienz der Hypophyse oder des Hypothalamus.
  • Chronische Pathologien: Fettleibigkeit, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen, HIV.
  • Nachteilige Reaktionen auf bestimmte Medikamente wie Opioide.
  • Genetische Krankheiten: Kallman-Syndrom, Klinefelter-Syndrom, myotone Dystrophie oder Prader-Willi-Syndrom.
  • Konsum von Anabolika.

Bei Frauen kann der Testosteronspiegel verringert sein durch:

  • Menopause
  • Oopherektomie
  • Verabreichung von Medikamenten: Verhütungsmittel oder Corticoide.
  • Hormonstörungen
  • Hyperprolaktinämie
  • Störungen der Hypophyse: Nebenniereninsuffizienz.

Welches sind die Folgen eines niedrigen Testosteronspiegels?

Folgende Symptome können durch einen niedrigen Testosteronspiegel bei Männern auftreten:

  • niedrige Spermienanzahl, was zu Fruchtbarkeitsproblemen führt,
  • Verminderung der Libido,
  • Erektionsprobleme,
  • Erhöhung der Größe der Brüste,
  • psychische Schwankungen,
  • Verlust an Muskelmasse und
  • Haarausfall u.a.

Andererseits sind sehr niedriger Androgenspiegel bei Frauen assoziiert mit

Können wir Testosteron künstlich verabreichen?

Nach der Bestätigung durch klinische Daten und biochemischen Tests zum Defizit an Testosteron hat der Facharzt den Auftrag, die Behandlung nur in den Fällen vorzuschreiben, in denen dies erforderlich und sicher ist.

Die exogene Verabreichung von Testosteron kann auf verschiedene Weise erfolgen:

  • Gel: die Vorgaben für die Verabreichung müssen befolgt werden. Auf eine intakte, saubere und trockene Hautstelle anwenden. Danach ist es notwendig, sich die Hände mit Wasser und Seife zu waschen.
  • Injektionen: sie müssen sehr langsam in den Muskel verabreicht werden, und zwar durch einem Arzt oder Krankenpfleger.
  • Pflaster: sie müssen auf der Haut angebracht werden, normalerweise am Abend, und man lässt sie 24 Stunden lang einwirken. Es sind die Anweisungen des Prospekts zu befolgen.
  • Implantate: durch eine kleine Inzision in der Haut wird das Implantat eingeführt. Dies setzt das Testosteron während eines Zeitraums von 3 bis 5 Monaten allmählich frei.

Wie bei jedem Medikament, ist es möglich, dass es bestimmte Nebenwirkungen hervorruft, daher ist wichtig, eine medizinische Überwachung vorzunehmen.

Wofür verwenden wir Testosteron während einer Behandlung der In-vitro-Fertilisation (IVF)?

Verschiedene Studien legen nahe, dass die Androgene Auswirkungen auf die anfängliche Entwicklung der Follikel haben. Eine hohe Konzentration könnte die Expression des FSH-Rezeptors erhöhen und damit die Follikelreaktion verbessern.

Der Mechanismus, durch den das Testosteron und das Dehydroepiandrosteron die Androgene erhöht werden, ist unterschiedlich. Auch wenn es einige Studien hierzu gibt, ist die Evidenz nicht hoch. Jüngste Forschungen haben die transdermale Verabreichung von Testosteron vor der ovarielle Stimulation bei Patientinnen mit niedriger ovarieller Reserve vorgeschlagen.

Die korrekte Anwendung dieser Behandlung könnte eine höhere Anzahl an Eizellen nach der Follikelpunktion, eine geringere Abbruchrate und eine höhere klinische Schwangerschaftsrate bewirken. Diese Daten sind weiterhin umstritten, und es sind mehr Studien notwendig, um sie zu bestätigen. Daher muss die Verabreichung von Testosteron von einem Facharzt nach einer umfassenden Untersuchung der Krankengeschichte der Patientin vorgenommen werden.

Laura Martí, Biologin am Instituto Bernabeu.

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