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Von der Ovarialverjüngung bis zur Follikel-Aktivierung, Strategien für die Patientin mit niedriger Eizellreserve

Von der Ovarialverjüngung bis zur Follikel-Aktivierung, Strategien für die Patientin mit niedriger Eizellreserve

Aufgrund verschiedener Faktoren – im Wesentlichen sozioökonomischer Art –, zu denen auch der medizinische Fortschritt gehört (Verfügbarkeit und verbreitete Verwendung von Verhütungsmitteln), besteht ein zunehmender demografischer Trend zur Verzögerung der Einleitung der ersten Suche nach einer Schwangerschaft, vor allem in den westlichen Ländern; dies führt zu zahlreichen Fruchtbarkeitsproblemen, die im Wesentlichen auf das Alter zurückzuführen sind, und bringt die Fachleute auf diesem Gebiet dazu, neue Wege und Techniken zu erforschen für ovarielle Verjüngung und Niedrige Eizellreserve.

Fortschritte im Wissen

In den letzten Jahren wurden auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin mehrere Initiativen mit dem Ziel gestartet, den Einfluss des Alters auf den Reproduktionsprozess zu reduzieren. Eines dieser Forschungsgebiete hängt mit dem Begriff der “Reaktivierung” der Stammzellen und der verbleibenden Follikel (mit potenziellen Eizellen) im Eierstock zusammen.

Bis vor Kurzem akzeptierte die medizinische Wissenschaft, dass das reproduktive Leben der Frau allein von einer festen Reserve an verfügbaren Eizellen bei der Geburt abhängt, und dass diese sich in der Menopause vollkommen erschöpft. Diese Vorstellung wurde jedoch in jüngster Zeit von mehreren Studien in Frage gestellt, welche die Existenz der sogenannten ovariellen Stammzellen nahelegen. Diese Entdeckung bildet, zusammen mit der erwiesenen Tatsache, dass der Eierstock selbst nach der Menopause etwa 1000 verbleibende Follikel enthält, die Grundlage der sogenannten “Techniken der ovariellen Verjüngung”.

Experimentelle Forschungsansätze für die “ovarielle Verjüngung”

Im Folgenden behandeln wir einige davon.

Augment

Diese Technik erforderte die Durchführung einer laparoskopischen Chirurgie zur Extraktion eines Teils des Eierstocks, in dem anschließend Strukturen identifiziert wurden, die “den ovariellen Stammzellen ähneln”, und aus dem Mitochondrien (die Energiequelle der Zellen) extrahiert wurden. In einem zweiten Schritt wurde die Patientin einer In-vitro-Fertilisation unterzogen, und diese Mitochondrien wurden (während der ICSI) in die gewonnenen Eizellen eingeführt, um sie danach zu befruchten und “gesündere” Embryonen zu erzeugen. Nach der Präsentation einer Studie auf dem Kongress ESHRE 2018, die keine Verbesserung durch Anwendung dieser Technik bei Patientinnen mit niedriger ovarieller Reserve aufzeigte, wurde die AUGMENT-Technik jedoch in der klinischen Praxis nicht mehr angewandt.

ASCOT

Unlängst wurde im Hospital La Fé in Valencia (Spanien) das Konzept namens ASCOT (englische Abkürzung für Autologe [eigene] ovarielle Transplantation von Stammzellen) erforscht. In diesem Falle erhält die Patientin (mit niedriger ovarieller Reserve) fünf subkutane Injektionen eines Medikaments, das in der Hämatologie verwendet wird (namens Filgrastim, das auch Granulozyten-Kolonie-stimulierender Faktor oder G-CSF genannt wird), mit dem Ziel das Knochenmark dazu zu stimulieren, verschiedene Typen von Blutzellen zu produzieren (darunter erwachsene Stammzellen namens hämatopoetische Vorläuferzellen), und sie in die Blutbahn freizusetzen, wo sie später extrahiert und gefiltert werden. In einer zweiten Phase erfolgt ein “semi-invasiver” Eingriff (gemäß den Autoren), der darin besteht, einen Katheter in den Innenschenkel der Patientin (über die Oberschenkelarterie) einzuführen und ihn von dort aus zu einem der Eierstöcke zu leiten; schließlich werden diese erwachsenen hämatopoetischen Stammzellen in den Eierstock mit dem Ziel der “Stimulation der Produktion von Eizellen” injiziert. Einige Wochen danach erhält die Patientin Medikamente ür die ovarielle Stimulation, und es wird eine IVF durchgeführt. Kürzlich im August 2018) wurden die Schlussfolgerungen dieses Pilotversuchs (der an etwa 15 Patientinnen durchgeführt wurde) in der US-amerikanischen Zeitschrift Fertility and Sterility veröffentlicht. Nach der Verabreichung des ASCOT führten 15 Patientinnen insgesamt 28 IVF-Zyklen durch, und die sich ergebenden Embryonen wurden vor ihrem Transfer genetisch untersucht: nur jeweils einer von sechs erwies sich als genetisch gesund (16%), und nach den Embryonentransfers wurde nur eine Schwangerschaft mit zufriedenstellender Evolution erreicht. Zusätzlich wurde eine Patientin auf natürliche Weise schwanger, und kurioserweise wurde die einzige Patientin, ie nach einer IVF schwanger wurde, später erneut schwanger, diesmal auf natürliche Weise. Insgesamt drei Lebendgeborene. Die Autoren schlussfolgern: “Es sind mehr Studien erforderlich, um die Ergebnisse bei einer größeren und homogeneren Bevölkerung zu bewerten, sowie um eine Überwachung der reproduktiven Ergebnissen vorzunehmen, bevor man ASCOT als eine reelle Alternative zur Behandlung von Patienten mit gestörter ovarieller Funktion betrachten kann”.

Aktivierung von schlafenden Follikeln

Eine besondere Erwähnung verdient die Initiative, die in Japan von Dr. Kawamura (2013) beschrieben wurde. Dieser Autor spricht nicht von “ovarieller Verjüngung”, sondern vielmehr von “Aktivierung der schlafenden Follikel” und konzentriert sich auf eine spezifische Gruppe von Patientinnen: nämlich die mit prämaturer Ovarialinsuffizienz (vorzeitiger Menopause). Vielleicht sind es diese Patientinnen, die am meisten von der klinischen Anwendung des Konzepts der ovariellen Stammzellen profitieren könnten. Allerdings erweist sich die von Kawamura beschriebene Technik ebenfalls als invasiv, da sie laparoskopische Verfahren erfordert (um das Eizellgewebe zu extrahieren, zu verarbeiten und es später, bereits “aktiviert” wieder in den Eierstock einzuführen). Das Ziel ist das gleiche: Stimulation der “Aktivierung” der im Eierstock verbleibenden Follikel. Der Autor hat die (wenigstens zeitweilige) Wiederherstellung des Menstruationszyklus bei diesen Patientinnen und sogar Schwangerschaften beschrieben.

Plättchenreiches Plasma (PRP)

Im Einklang mit dem Konzept von Kawamura legen jüngste Forschungen nahe, dass die intraovarielle Verabreichung von plättchenreichem Plasma (PRP) “den Eierstock aktivieren” und damit die Zahl der gewonnenen Eizellen erhöhen könnte. Diese Methode hat den Vorteil, weniger invasiv zu sein, da das Plasma auf der Grundlage einer Blutprobe (genau wie bei einer Routine-Blutanalyse) der Patientin selbst gewonnen wird. Das erlangte PRP wird durch transvaginale Punktion unter Sedation eingeführt, ohne dass eine Krankenhauseinweisung erforderlich wird. Es kann mit dem gleichen Verfahren verabreicht werden, mit dem die Eizellen extrahiert werden, ebenso wie bei Patientinnen, die späteren Stimulationen unterzogen werden sollen. Die Studien auf diesem Gebiet sind zwar zahlenmäßig begrenzt, aber viel versprechend. Erfahren Sie mehr unter dem folgenden Link

Erwartungen

Wie wir sehen können, hat sich das anfängliche Konzept der “ovariellen Verjüngung” zu einer “Aktivierung der Ovarialfollikel” weiterentwickelt, und dies ist ein Gebiet von zunehmendem wissenschaftlichem Interesse. Einige der anfänglichen Initiativen sind aus Mangel an Nachweisen verschwunden, und andere befinden sich in der experimentellen Entwicklungsphase. Die aktuellen Bemühungen konzentrieren sich darauf, weniger invasive Alternativen anzubieten. Wir könnten hinzufügen, dass es derzeit zwar keine Heilung für die Ovarialinsuffizienz gibt, die jüngsten Fortschritte in der ovariellen Biologie jedoch die Entwicklung von therapeutischen Strategien möglich gemacht haben, die eine Erforschung lohnen.

Allerdings ist es wahrscheinlich, dass sich die Möglichkeit der ovariellen Regeneration bei erwachsenen Menschen, selbst wenn sie machbar ist, als wenig signifikant hinsichtlich der Verbesserung der Qualität der Eizellen und der endokrinen Funktion erweist. vor allem in Fällen, bei denen diese sich als Ergebnis des Erschöpfung der Follikel und der Funktionsweise des Eierstocks im Allgemeinen nachlassen, welche mit dem unerbittlichen Alterungsprozess verbunden ist.

Literaturhinweise

  1. Herraiz S, et al. Autologous stem cell ovarian transplantation to increase reproductive potential in patients who are poor responders. Fertil Steril. 2018 Aug;110(3):496-505.
  2. O-210. E. Labarta Demur, et al. Autologous mitochondrial transfer as a complementary technique to ICSI to improve oocyte and embryo quality in IVF patients. A Randomized Pilot Study. Abstracts of the 34th Annual Meeting of the ESHRE 2018 , Barcelona, Spain 1 to 4 July 2018.
  3. Kawamura K, et al. Hippo signaling disruption and Akt stimulation of ovarian follicles for infertility treatment. Proc Natl Acad Sci USA. 2013 Oct 22;110(43):17474-9.
  4. Sfakianoudis K, Simopoulou M, Grigoriadis S, Pantou A, Tsioulou P, Maziotis E, Rapani A, Giannelou P, Nitsos N, Kokkali G, Koutsilieris M, Pantos K. Reactivating Ovarian Function through Autologous Platelet-Rich Plasma Intraovarian Infusion: Pilot Data on Premature Ovarian Insufficiency, Perimenopausal, Menopausal, and Poor Responder Women. J Clin Med. 2020 Jun 10;9(6):1809. doi: 10.3390/jcm9061809. PMID: 32532000; PMCID: PMC7355907.

Dr. Juan Carlos CastilloGynäkologe am Instituto Bernabeu.

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