Wie beeinflusst die Zöliakie die Fruchtbarkeit? Und wenn man bereits schwanger ist? 0

Die Zöliakie oder auch Zöliakiekrankheit besteht in einer Intoleranz gegen Gluten, ein Eiweiß pflanzlichen Ursprungs, das u.a.in Getreide wie Weizen, Dinkel, Kamut vorkommt1  2.

Sie wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als chronische Krankheit anerkannt, an der hauptsächlich genetisch prädisponierte Menschen leiden. Sie zeichnet sich durch eine Entzündungsreaktion der Dünndarmschleimhaut nach der Einnahme von Nahrungsmitteln mit Gluten aus, und sie erschwert die Verdauung und die Absorption von Nährstoffen.

Zöliakie und Fruchtbarkeit

Zöliakie kann die Fruchtbarkeit beeinflussen, besonders bei Frauen.

  • Sie kann mit höherer Wahrscheinlichkeit eine verspätete Menarche – d.h. die Verzögerung der ersten Regel –,
  • Probleme, schwanger zu werden, und
  • in einigen Fällen die Verringerung der ovariellen Reserve eine frühzeitige Menopause auslösen.

Die Probleme der Absorption von Nährstoffen, die durch der Zöliakie verursacht werden, können zu folgenden Beschwerden führen:

  • Anämie,
  • Unterernährung,
  • Vitaminmangel,
  • Gewichtsverlust,
  • unregelmäßige Monatszyklen,
  • ausbleibende Menstruation und
  • in einigen Fällen zu Ovarialinsuffizienz, was die Befruchtungsfähigkeit direkt beeinflussen kann.

Die Zöliakie entwickelt sich bei 1-2% der allgemeinen Bevölkerung, mit höherer Verbreitung bei Frauen im fruchtbaren Alter, kann jedoch auch Männer befallen, bei denen sie Störungen der Spermaqualität auslösen kann, die mit der passenden glutenfreien Diät gelöst werden3. Daher müssen zöliakiekranke Männer auch auf ihre Ernährung achten, um die bestmögliche Samenqualität zu gewährleisten, wenn sie Nachkommen haben möchten.

Eine nicht behandelte Zöliakie erhöht das Risiko von wiederholten Fehlgeburten, Frühgeburten und Störungen des fötalen Wachstums, mit Untergewicht bei der Geburt und verzögertem intrauterinem Wachstum 1 4. Daher sind eine frühzeitige Entdeckung und eine richtige Ernährung wesentlich zur Verringerung dieser Symptome und dem Erreichen einer sicheren Schwangerschaft.

Schwangerschaft und Zöliakie

Wenn Sie zölikiekrank und schwanger sind, müssen Sie eine ausgewogene Diät einhalten, unter Berücksichtigung der besonderen Situation der Schwangerschaft. Laut dem Verband der Vereine für Zöliakiekranke Spaniens muss die zukünftige Mutter sich reich an Nährstoffen und ohne Gluten ernähren. Auf diese Weise verhindern wir Ernährungsmängel und eine unangemessene Ernährung sowohl bei der Mutter als auch beim zukünftigen Baby.

Zöliakiekranke Schwangere können eine große Vielfalt an Getreide zu sich nehmen, die kein Gluten enthalten, wie Reis, Mais, Buchweizen, Pseudogetreide wie Quinoa und natürlich Hülsenfrüchte. Diese sind wesentlich in der Diät der zöliakiekranken Mutter, da sie uns Kohlenhydrate und Eiweiß von hoher Qualität liefern.

Die glutenfreie Diät hat keine negative Rückwirkung auf das Wachstum und die Entwicklung des Fötus, und auch nicht später auf die Zusammensetzung der Muttermilch bei stillenden Frauen.

Behandlungen der künstlichen Befruchtung und Zöliakie

Die Erfolgsrate der Behandlungen der künstlichen Befruchtung bei Frauen mit Zöliakie, die eine strenge, glutenfreie Diät befolgen, ist ähnlich wie die von Frauen ohne Zöliakiekrankheit. Wenn die Diät allerdings nicht strikt glutenfrei ist, können Probleme durch schlechte Absorption von einigen Nährstoffen auftauchen, und dies könnte die Ursache für eine geringere Reaktion auf Fruchtbarkeitsbehandlungen sein. Die Ursache dieser schlechtesten Prognose wäre nicht der Zöliakiekrankheit an sich zuzuschreiben, sondern den sekundären Ernährungsproblemen bei einer unangemessenen Behandlung.

Schlussfolgernd können wir feststellen, dass Frauen mit Zöliakiekrankheit, die eine korrekte, glutenfreie Diät befolgen, die gleichen Erfolgsmöglichkeiten nach einer Fruchtbarkeitsbehandlung haben wie Frauen mit normaler Glutentoleranz4.

Andererseits gibt es den Glauben, dass bei Frauen ohne Zöliakiekrankheit eine glutenfreie Diät die Wirksamkeit der Techniken der künstlichen Befruchtung begünstigen kann, doch die diesbezüglichen Untersuchungen haben dies nicht bestätigt5.

Literaturverzeichnis

1.Rodriguez Sáez L. Enfermedad celiaca. Inf Ter Sistema Nacional de Salud 2010; 34: 49-59

2.Farthing MJ, Edwards CR, Rees LH, Dawson AM. Male gonadal function in coeliac disease: 1. Sexual dysfunction, infertility, and semen quality. Gut. 1982 Jul;23(7):608-14. doi: 10.1136/gut.23.7.608. PMID: 7200931; PMCID: PMC1419778.

3.Freeman HJ. Reproductive changes associated with celiac disease. World J Gastroenterol. 2010 Dec 14;16(46):5810-4. doi: 10.3748/wjg.v16.i46.5810. PMID: 21155001; PMCID: PMC3001971.

4.Grode L, Bech BH, Plana-Ripoll O, Bliddal M, Agerholm IE, Humaidan P, Ramlau-Hansen CH. Reproductive life in women with celiac disease; a nationwide, population-based matched cohort study. Hum Reprod. 2018 Aug 1;33(8):1538-1547. doi: 10.1093/humrep/dey214. PMID: 29912336.

5.Juneau CR, Franasiak JM, Goodman LR, Marin D, Scott K, Morin SJ, Neal SA, Juneau JE, Scott RT. Celiac disease is not more prevalent in patients undergoing in vitro fertilization and does not affect reproductive outcomes with or without treatment: a large prospective cohort study. Fertil Steril. 2018 Aug;110(3):437-442. doi: 10.1016/j.fertnstert.2018.03.030. PMID: 30098695.

Dra. Pino Navarro, Leiterin für Endlokrinologie und Nutrition des Instituto Bernabeu

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