shutterstock_182911703r-768x672Die Embryonenimplantation ist die im Bereich der Reproduktionsmedizin am wenigsten bekannte Phase des Reproduktionsprozesses. Dies hat besondere Bedeutung, wenn wir außerdem berücksichtigen, dass der menschliche Embryo im Vergleich zu anderen, in der Entwicklungsskala verwandten Arten wenig effizient ist..

Derzeit wissen wir, dass die normale Erzielung einer Schwangerschaft auf drei Grundpfeilern beruht: dem Embryo, dem Endometrium und der Toleranz durch das Immunsystem der Mutter. Nicht nur ist ein korrekter funktioneller Zustand all dieser Faktoren notwendig,, sondern auch deren optimale Beziehung untereinander. Sowohl die Untersuchung wie die derzeitige Rolle des Embryos und des Immunsystems wurden bereits zuvor detailliert beschrieben, weshalb wir uns auf das Endometrium, und konkreter auf die Untersuchung der endometrialen Empfänglichkeit konzentrieren werden.

Man weiß seit längerer Zeit, dass das Endometrium, das Gewebe, das die Gebärmutterhöhle umhüllt, sich nur einen kurzen Zeitraum lang für den Embryo empfänglich zeigt, den wir “Implantationsfenster” nennen. Dieses Fenster tritt gewöhnlich am siebten Tag nach dem Eisprung auf und ist das Ziel intensiver Untersuchungen. Schon in den 50er Jahre legte Noyes verschiedene Strukturmuster während des Zyklus‘ der Frau fest, und in den 90ern wurden spezifische Veränderungen bei Untersuchungen mit dem Elektronenmikroskop beschrieben, die Pinopoden genannt werden. Diese strukturellen oder morphologischen Parameter wiesen in nachfolgenden Untersuchungen jedoch eine niedrige Zuverlässigkeit auf.

Daher, und wegen der großen Fortschritte im Bereich der Molekulargenetik, sind im letzten Jahrzehnt neue mögliche Werkzeuge aufgekommen, um festzustellen, welches Endometrium rezeptiv ist und welches nicht. Diese Werkzeuge nennt man Endometrial Receptivity Array oder ERA, und ihr Ziel ist die Entdeckung der Signale oder Kennzeichen, die die Zellen des Endometriums während des Implantationsfensters zeigen. Diese Kennzeichen entsprechen der Expression von sehr konkreten Genen, die ausschließlich während dieses kurzen Zeitraums “aktiviert” werden müssen. In anderen Worten: der Empfänglichkeitstest würde es uns ermöglichen, den Gen-Ausweis des Endometriums kennenzulernen, der für die Unterbringung eines Embryos geeignet ist.

Der ERA-Test ist ein Test, der zum Bereich der Transkriptome gehört, ein Begriff, der von Transkription stammt, dem Prozess der Genexpression.

Bis heute wurden Genprofile für verschiedene Phasen des natürlichen Zyklus‘ der Frau bei verschiedenen Pathologien wie der Endometriose sowie bei Frauen identifiziert, die sich Behandlungen der künstlichen Befruchtung unterzogen haben. Andererseits hat sich der Test als sicher (d.h. seine Wiederholung unter gleichen Bedingungen hat zum gleichen Ergebnis geführt), und konsistent (das Ergebnis ist während einer relativ langen Zeit gültig) erwiesen. Allerdings gibt es derzeit noch zwei wichtige Einschränkungen bei der Anwendung in der normalen praktischen Medizin.

Die erste ist, dass noch kein Genmuster gefunden wurde, das mit ausreichender Klarheit auf ein empfängliches Endometrium hinweist. Bisher wurden Untersuchungen nur an eingeschränkten Patientinnengruppen und sehr konkreten Populationen durchgeführt, und trotz der positiven Ergebnisse wäre eine globale Bestätigung erforderlich.

Und zweitens besteht die Notwendigkeit, die Rolle des Tests bei Patientinnen auszuwerten, die wiederholte Embryonenimplantationsfehler bei aufeinander folgenden Behandlungen der In-vitro-Fertilisation erleiden. Vorläufige Daten weisen darauf hin, dass bis zu ein Viertel dieser Patientinnen ein verfrühtes oder verspätetes Implantationsfenster haben können, und durch die Anpassung des Zeitpunkts des Embryonentransfers könnte die Schwangerschaftsprognose verbessert werden. Es ist zwingend notwendig, die Forschungslinie bei dieser Gruppe von Frauen zu erweitern.

Die personalisierte Medizin ist ein Trend, der sich auf allen medizinischen Gebieten ausbreitet. Kurz gesagt, die Anwendung von Protokollen der ovariellen Stimulation gemäß der ovariellen Reserve der Frau, oder die Anwendung der IVF (In-vitro-Fertilisation) bzw. der ICSI (Intrazytroplasmatischen Spermieninjektion) entsprechend den Samenparamtern sind deutliche Beispiele hierfür. In diesem Sinne wäre die Entwicklung eines endometrialen Empfänglichkeitstests, der es uns erlaubt, den geeigneten Zeitpunkt für den Transfer des Embryos festzulegen, zweifellos sehr attraktiv.

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Endometrial Receptivity Array (ERA-Test)
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