Ovarialinsuffizienz. Kann ich damit mutter werden? Ursachen, symptome, diagnose, behandlung und prävention Instituto Bernabreu

Die ovarielle Reserve der Frau ist zeitlich begrenzt und sinkt bis zu ihrem endgültigen Ausbleiben in der Menopause, im Alter von 45-50 Jahren. Allerdings tritt bei 1% der Frauen eine vorzeitige Depletion der Eizellen ein. Dies führt zum vollständigen oder teilweisen Ausbleiben der Funktionen des Eierstocks vor dem Alter von 40 Jahren, was wir Ovarialinsuffizienz (OI) oder auch Prämature Ovarialinsuffizienz (POI) bzw. Primäre Ovarialinsuffizienz nennen.

WARUM KOMMT ES ZUR VORZEITIGEN OVARIALINSUFFIZIENZ?

Auch wenn in 80-90% der Fälle der prämaturen Ovarialinsuffizienz keine Ursache gefunden wird (Fälle idiopathischen oder unbekannten Ursprungs), gibt es bekannte kausale Faktoren, die untersucht werden müssen:

  • Chromosomen- und genetische Veränderungen: Turner-Syndrom, Fragiles-X-Syndrom, genetische Polymorphismen, Mosaizismen…). 
  • Autoimmunerkrankungen und Endokrinopathien: Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, Schilddrüsenstörungen, Nebennierenrindeninsuffizienz u.a.
  • Iatrogenität, d.h. Nebenwirkungen von bestimmten Behandlungen, die den Eierstock beeinträchtigen, wie etwa: Chemotherapie, Radiotherapie im Beckenbereich oder ovarielle Chirurgie.
  • Stoffwechselstörungen.

WELCHES SIND DIE SYMPTOME DER PRÄMATUREN OVARIALINSUFFIZIENZ?

  • Das wichtigste Symptom der vorzeitigen Ovarialinsuffizienz ist das Ausbleiben der Regel (Amenorrhoe), oder die Verringerung von deren Häufigkeit.  Dies ist der Hauptgrund für eine Sprechstunde, zusammen mit
  • der Schwierigkeit, schwanger zu werden.
  • Östrogen-Defizit, das zudem weitere Symptome auslöst, wie:
    • Erstickungsanfälle.
    • Schlaflosigkeit.
    • Gemütsstörungen.
    • Vaginale Trockenheit,
    • Mangel an sexuellem Verlangen.
    • Langfristig können sich eine Reihe von Konsequenzen für die Gesundheit der Frau ergeben:
      • Auf Knochenebene (vor allem Osteoporose) und
      • kardiovaskulär.

DIAGNOSE DER OVARIALINSUFFIZIENZ

Bei einer Amenorrhoe von mehr als 4 Monaten (Ausbleiben der Menstruation), müssen wir ärztliche Hilfe einholen. Es werden eine detaillierte Krankengeschichte und eine gynäkologische Untersuchung mit vaginalem Ultraschallbild durchgeführt. Gelegentlich sind zusätzliche Analysen (FSH, Estradiol, Anti-Müller-Hormon) notwendig, um die Diagnose zu unterstützen. Sobald die Bestätigung vorliegt, sind zusätzliche (genetische, endokrine u.a.) Untersuchungen erforderlich, um die Fälle von eindeutiger Ursache festzustellen.

KANN ICH MIT (PRÄMATURER) OVARIALINSUFFIZIENZ SCHWANGER WERDEN?

Bei 5-10% der Patientinnen mit primärer Ovarialinsuffizienz (POI) kann sich eine spontane und vorläufige Erholung der ovariellen Funktion einstellen, und es kommt zu einer spontanen Schwangerschaft. Doch es gibt keine Methode, um vorherzusagen, ob und zu welchem Zeitpunkt dies eintritt. Daher sind gewöhnlich Behandlungen der künstlichen Befruchtung erforderlich.

Einige junge Frauen mit POI können die Schwangerschaft durch In-vitro-Fertilisation mit eigenen Eizellen erzielen, selbst wenn die Zahl der erlangten Eizellen gering ist.

Die Abteilung für die Behandlung der niedrigen ovariellen Reserve am Instituto Bernabeu erarbeitet individuell zugeschnittene Protokolle für diese Fälle. Doch bei einer vollständigen Ovarialinsuffizienz sind die Behandlungen der Stimulation nicht effektiv, und somit wäre die Behandlung mit Eizellspende eine Alternative für das Erreichen der Schwangerschaft.

Auch wenn es keine Medikamente gibt, mit denen man den Eierstock “reaktivieren” kann, werden Techniken erforscht, die sich darauf konzentrieren, die Reaktivierung von “eigeschlafenen” restlichen Eizellen zu erreichen. Dies gilt für das Verfahren, das als OFFA (Ovarian Fragmentation For Follicular Activation) bekannt ist, bei dem die Fragmentierung eines Teils der Eizellrinde und deren autologe Transplantation erfolgt, mit ermutigenden Ergebnissen.

BEHANDLUNG DER VORZEITIGEN OVARIALINSUFFIZIENZ

  • Sie erfordert eine multidisziplinäre Herangehensweise, welche die Ursache, die Symptome und die Fruchtbarkeitsbehandlung umfasst, falls erforderlich, ebenso wie eine angemessene emotionelle und psychologische Unterstützung.
  • Ein gesunder Lebensstil, der Verzicht auf das Rauchen, regelmäßiger Sport und eine gesunde und ausgeglichene Diät sind unabdingbare  Maßnahmen, um die Lebensqualität zu verbessern.
  • Die ersatzweise Hormontherapie mit Östrogenen und Progesteron verbessert die Symptome des Östrogen-Defizits und verringert langfristig das Risiko von Osteoporose und kardiovaskulären Problemen.

KANN MAN DIE PRIMÄRE OVARIALINSUFFIZIENZ VERHINDERN?

Wenn eine Amenorrhoe vorliegt, gibt es keine spezifischen Anzeichen, mit denen wir sie voraussagen oder vermuten könnten.

Falls ein Fall entdeckt wird, können wir allerdings mit Hilfe der passenden familiären Krankengeschichte und einer genetischen Analyse Fälle genetischen Ursprungs identifizieren, und wir könnten Verwandte mit Risiken feststellen, was uns die Möglichkeit bietet, das reproduktive Leben zu planen oder Eizellen für die Zukunft aufzubewahren (Einfrieren von Eizellen). In diesen Fällen spielt die Abteilung für Genetische Beratung am Instituto Bernabeu eine wesentliche Rolle. Außerdem ist das Auftreten von einigen Genmutationen mit weiteren Implikationen bei den Nachkommen verbunden, wie etwa im Falle des Fragilen X-Syndroms, das zu geistiger Retardierung bei männlichen Nachkommen führt. Die Abteilung für Molekular- und genetische Biologie am Instituto Bernabeu arbeitet daran, neue genetische Varianten festzulegen, die mit der vorzeitigen Ovarialinsuffizienz in der Familie zusammenhängen.

Um die POI iatrogener Ursache (Prämature Ovarialinsuffizienz) zu verhindern, wird empfohlen, vorsichtig und konservativ mit den Patientinnen umzugehen, die sich einer Beckenchirurgie unterziehen müssen und sich ihren Kinderwunsch noch nicht erfüllt haben; ebenso muss auf die mögliche Vitrifizierung von Eizellen für Patientinnen hingewiesen werden, die Behandlungen der Chemo- oder Radiotherapie benötigen.

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Dr. Ana Fuentes, Gynäkologin am Instituto Bernabeu

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