Falsche Mythen über die Fruchtbarkeit - Instituto Bernabeu

Kann die Einnahme von Verhütungsmitteln meine zukünftige Fruchtbarkeit verringern?

Orale Verhütungsmittel werden heute von mindestens 35 % der Frauen im Reproduktionsalter (1) genutzt, womit sie die zweithäufigste Verhütungsmethode nach dem Präservativ sind. Es gibt viele falsche Mythen über die oralen Verhütungsmittel, doch wir wollen uns hier auf die Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit konzentrieren, nachdem wir deren Einnahme abgesetzt haben.

Es wurde nachgewiesen, dass der Anti-Müller-Hormonspiegel (AMH) bei Patientinnen, die irgendeine Art von hormonellem Verhütungsmittel benutzen, um 19% niedriger ist, als man ihrem Alter nach erwarten würde (2). Normalerweise verwenden wir diesen Parameter, das AMH, um die ovarielle Reserve zu “messen”, weshalb wir denken könnten, dass dieser Mythos der Wahrheit entspricht, doch es hat sich erwiesen, dass der AMH-Spiegel nach Beendigung der Einnahme dieser Art von Verhütungsmittel (3) zur Normalität zurückkehrt und nicht von dem Zeitraum der Einnahme dieses Mittels abhängt. Im Gegenteil, es hat sich gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft nach der Einnahme von Verhütungsmitteln in der Vergangenheit die gleiche ist wie bei Frauen, die niemals welche eingenommen haben (4).

Zusammenfassend gesagt: die Anwendung von hormonellen Methoden zur Verhinderung der Schwangerschaft beeinträchtigt die Fruchtbarkeit nicht, obwohl wir darauf achten sollten, den AMH-Spiegel zu einem Zeitpunkt zu messen, an dem wir keine hormonellen Mittel nehmen, um einen Wert zu erhalten, der nahe an der Wirklichkeit liegt.

Kann ich die Wahrscheinlichkeit, einen Jungen oder ein Mädchen zu bekommen, durch Planung der sexuellen Beziehungen erhöhen?

Dies ist ein Mythos, den man häufig hört, und die “Methoden”, mit denen man versuchen könne, das Geschlecht des zukünftigen Babys auszuwählen, schwanken stark, je nachdem, wo wie die Informationen einholen. Am meisten verbreitet ist vielleicht die Methode, die den Zeitpunkt der sexuellen Beziehung an dem Tag oder den Tagen rund um den Eisprung mit der Wahrscheinlichkeit in Verbindung bringt, einen Jungen zu bekommen. Diese Theorie begann 1980 mit der sogenannten “Billings-Methode” (5), nach der beim Geschlechtsverkehr kurz vor oder nach dem Eisprung die Spermien, bei denen die Wahrscheinlichkeit, die Eizelle zu erreichen, am höchsten ist, diejenigen seien, die das “Y”-Chromosom mit sich trügen, da sie “weniger schwer” seien.

Seitdem gab es zahlreiche Studien, die versuchen, diese Hypothese zu untersuchen, doch nur eine von ihnen war mit dieser Methode erfolgreich (6). Bei den übrigen veröffentlichten Studien (mit einer höheren Anzahl von Patientinnen) wurde diese Beziehung nicht vorgefunden, weder mit dieser noch mit anderen Methoden (7)(8)(9). Bei einer Studie mit 875 Patientinnen (10) wurde sogar das gegenteilige Verhältnis festgestellt.

All diese Informationen führen zu der Schlussfolgerung, dass es keine “natürliche” Methode zur Auswahl des Geschlechts des Neugeborenen gibt.

Kaffee zu trinken, wenn ich versuche, schwanger zu werden, ist schlecht

Bezüglich des Zusammenhangs zwischen Kaffeekonsum und Schwangerschaft empfiehlt das ACOG (American College of Obstetricians and Gynecologist), nicht mehr als zwei Tassen de Kaffee am Tag zu trinken (etwa 200 mg Koffein/Tag) (11), doch es könnten Zweifel aufkommen, ob der Verbrauch von Kaffee, der eine psychostimulierenden Substanz ist, die Wahrscheinlichkeit der Empfängnis beeinträchtigen kann. Man hat festgestellt, dass sein Verbrauch das Eisprungmuster von Frauen (12) nicht verändert, ebenso wenig wie die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in Ihrem natürlichen Zyklus schwanger werden (13), weshalb es nicht nötig ist, den Verbrauch von Kaffee einzustellen, wenn Sie versuchen, schwanger zu werden, obwohl es ratsam ist, die oben erwähnte tägliche Dosis nicht zu überschreiten.

Ich höre mit dem Rauchen auf, wenn ich weiß, dass ich schwanger bin

Wir haben schon gesehen, wie es um den Kaffeeverbrauch steht, doch beeinträchtigt Tabak die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden? Die Antwort ist: ja. Der Tabakkonsum beeinflusst das weibliche Reproduktionssystem auf mehreren Ebenen: er verringert die Qualität der Eizellen, erhöht den oxidativen Stress im Eierstock, beeinträchtigt die Kontraktilität der Eileiter und verringert die Empfänglichkeit der Gebärmutter. Daher wurde festgestellt, dass Tabak die Wahrscheinlichkeit von Fruchtbarkeitsproblemen (14) um 60% erhöht.

Ich beginne mit der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, die Folsäure enthalten, wenn mein Schwangerschaftstest positiv ist

Auch wenn die meisten Frauen in Spanien ergänzende Vitaminpräparate während der Schwangerschaft zu sich nehmen, tun dies weniger al 35% von ihnen in den Monaten davor (15). Es herrscht der falsche Glaube vor, dass Sie mit deren Einnahme erst beginnen müssen, wenn Sie schwanger sind, doch man sollte damit mindestens einen Monat vor der Empfängnis beginnen (16), um das Risiko von Störungen des Neuralrohrs auf fetaler Ebene (17) zu verringern. Beginnen Sie deshalb zu dem Zeitpunkt, an dem Sie beschließen, schwanger zu werden, mit der täglichen Einnahme jedes Präparats, das mindestens 400 Mikrogramm dieses Wirkstoffs enthält.

Nach einer Fehlgeburt habe ich weniger Wahrscheinlichkeit als andere Frauen, ein Neugeborenes zu bekommen

Zuerst muss man beachten, dass Fehlgeburten leider relativ häufig vorkommen, und zwar laut den neuesten Statistiken in 18,6% der Fälle (18). Es wurde nachgewiesen, dass die Wahrscheinlichkeit, nach einer Fehlgeburt schwanger zu werden, die gleiche ist, wie bei Patientinnen, die niemals eine Fehlgeburt hatten, und sogar die gleiche wie bei Frauen, die schon ein Kind haben (19).

Andererseits ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine weitere Fehlgeburt in dieser Situation einstellt, die gleiche wie bei Frauen, die niemals versucht haben, schwanger zu werden (20), und diese Wahrscheinlichkeit verringert sich sogar, wenn die Schwangerschaft innerhalb von 4 Monaten nach der Fehlgeburt eintritt, weshalb man keinerlei “Sicherheitszeitraum” abwarten muss, bevor man es erneut versucht.

Ist es notwendig, nach einem Embryonentransfer Bettruhe zu halten?

Nun kommen wir zu den Mythen über die Fruchtbarkeitstechniken, die ebenfalls sehr verbreitet sind. Den Mythos, den wir vielleicht am häufigsten in der Sprechstunde hören, ist der über die Notwendigkeit der Bettruhe nach einem Embryonentransfer (ET) zur Gebärmutter im Anschluss an eine In-vitro-Fertilisation. Es besteht der logische Zweifel, ob das Aufstehen nach dem ET den Austritt des Embryos aus der Gebärmutter hervorrufen kann, und in den 80er Jahre war es sogar üblich, “für alle Fälle” einige Tage Bettruhe zu Hause zu empfehlen. 

Im Jahr 2009 bewies eine Studie durch Ultraschalluntersuchung, dass die sich der Inhalt der Gebärmutter bei Patientinnen, die nach einem Transfer aufstehen und gehen, sich um keinen Millimeter mehr bewegt als bei Patientinnen, die sich nicht aus dem Bett erhoben haben (21). Nach zahlreichen Studien, die zu dem gleichen Schluss kommen, wurde kürzlich eine Revision der Literatur veröffentlicht, bei der die gleiche klinische Schwangerschaftsrate und der gleiche Anteil an lebenden Neugeborenen bei allen Gruppen von Patientinnen festgestellt wurde, unabhängig davon, ob sie nach dem Eingriff Bettruhe hielten oder nicht (22).

Deshalb wird im Allgemeinen empfohlen, keine Bettruhe nach einem ET zu halten, und an den darauffolgenden Tagen die normalen täglichen Aktivitäten fortzusetzen.

Literaturverzeichnis

  1. Johnson S, Pion C, Jennings V. Current methods and attitudes of women towards contraception in Europe and America. Reprod Health. 5 de febrero de 2013;10:7.
  2. Birch Petersen K, Hvidman HW, Forman JL, Pinborg A, Larsen EC, Macklon KT, et al. Ovarian reserve assessment in users of oral contraception seeking fertility advice on their reproductive lifespan. Hum Reprod. octubre de 2015;30(10):2364-75.
  3. Landersoe SK, Birch Petersen K, Sørensen AL, Larsen EC, Martinussen T, Lunding SA, et al. Ovarian reserve markers after discontinuing long-term use of combined oral contraceptives. Reprod Biomed Online. 15 de octubre de 2019;
  4. Mikkelsen EM, Riis AH, Wise LA, Hatch EE, Rothman KJ, Sørensen HT. Pre-gravid oral contraceptive use and time to pregnancy: a Danish prospective cohort study. Hum Reprod Oxf Engl. mayo de 2013;28(5):1398-405.
  5. Billings E, Westmore A. The Billings method: Controlling fertility without drugs or devices. Anne ODonovan Press. 1980;
  6. McSweeney L. Successful sex pre-selection using natural family planning. Afr J Reprod Health. marzo de 2011;15(1):79-84.
  7. Tiberi S, Scarpa B, Sartori N. A composite likelihood approach to predict the sex of the baby. Stat Methods Med Res. noviembre de 2018;27(11):3386-96.
  8. Gray RH, Simpson JL, Bitto AC, Queenan JT, Li C, Kambic RT, et al. Sex ratio associated with timing of insemination and length of the follicular phase in planned and unplanned pregnancies during use of natural family planning. Hum Reprod Oxf Engl. mayo de 1998;13(5):1397-400.
  9. Carson SA. Sex selection: the ultimate in family planning. Fertil Steril. julio de 1988;50(1):16-9.
  10. Guerrero R. Association of the type and time of insemination within the menstrual cycle with the human sex ratio ar brth. Int J Fertil. 1970;15:221-5.
  11. American College of Obstetricians and Gynecologists. ACOG CommitteeOpinion No. 462: Moderate caffeine consumption during pregnancy. Obstet Gynecol. agosto de 2010;116(2 Pt 1):467-8.
  12. Chavarro JE, Rich-Edwards JW, Rosner BA, Willett WC. Caffeinated and alcoholic beverage intake in relation to ovulatory disorder infertility. Epidemiol Camb Mass. mayo de 2009;20(3):374-81.
  13. Lyngsø J, Ramlau-Hansen CH, Bay B, Ingerslev HJ, Hulman A, Kesmodel US. Association between coffee or caffeine consumption and fecundity and fertility: a systematic review and dose-response meta-analysis. Clin Epidemiol. 2017;9:699-719.
  14. de Angelis C, Nardone A, Garifalos F, Pivonello C, Sansone A, Conforti A, et al. Smoke, alcohol and drug addiction and female fertility. Reprod Biol Endocrinol RBE. 12 de marzo de 2020;18(1):21.
  15. Sanfélix-Gimeno G, Ferreros I, Librero J, Peiró S. Caracterización de la suplementación de folatos en el embarazo a partir de la combinación de sistemas de información sanitaria. Gac Sanit. diciembre de 2012;26(6):512-8.
  16. SEGO. Guía de asistencia Práctica.Control prenatal del embarazo normal. Prog Obstet Ginecol. 2018;61(5):510-27.
  17. Blencowe H, Cousens S, Modell B, Lawn J. Folic acid to reduce neonatal mortality from neural tube disorders. Int J Epidemiol. abril de 2010;39 Suppl 1:i110-121.
  18. Bérard A, Abbas-Chorfa F, Kassai B, Vial T, Nguyen KA, Sheehy O, et al. The French Pregnancy Cohort: Medication use during pregnancy in the French population. PloS One. 2019;14(7):e0219095.
  19. Wildenschild C, Riis AH, Ehrenstein V, Hatch EE, Wise LA, Rothman KJ, et al. Fecundability among Danish women with a history of miscarriage: a prospective cohort study. BMJ Open. 21 de 2019;9(1):e023996.
  20. Sundermann AC, Hartmann KE, Jones SH, Torstenson ES, Velez Edwards DR. Interpregnancy Interval After Pregnancy Loss and Risk of Repeat Miscarriage. Obstet Gynecol. 2017;130(6):1312-8.
  21. Lambers MJ, Lambalk CB, Schats R, Hompes PGA. Ultrasonographic evidence that bedrest after embryo transfer is useless. Gynecol Obstet Invest. 2009;68(2):122-6.
  22. ozzolino M, Troiano G, Esencan E. Bed rest after an embryo transfer: a systematic review and meta-analysis. Arch Gynecol Obstet. noviembre de 2019;300(5):1121-30.

Dr. María MartinezGynäkologin am Instituto Bernabeu

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