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Hyperandrogenämie: Ursachen und Lösungen

Hyperandrogenämie: Ursachen und Lösungen

Alle Frauen, insbesondere im zeugungsfähigen Alter, produzieren physiologisch eine niedrige Konzentration von männlichen Sexualhormonen oder Androgenen. Einige Krankheiten führen zu einer erhöhten Konzentration dieser männlichen Hormone, die als Hyperandrogenämie oder Androgenämie bekannt ist. Kenntnisse über ihre Diagnose, ihre Ursachen und ihre Behandlung zu erlangen, ist eine der wichtigsten Herausforderungen für den Spezialisten in Reproduktionsmedizin, da sie häufig mit Sterilität assoziiert wird.

Was ist Hyperandrogenämie, auch Androgenämie genannt?

Als Hyperandrogenämie oder Androgenämie wird der Überschuss an Androgenen oder männlichen Sexualhormonen im Blut einer Frau bezeichnet. Unter diesen Hormonen sind die wichtigsten aufgrund ihrer starken Wirkung das Testosteron und das Dihydrotestosteron. Weitere klinisch bedeutende Androgene sind das Androstendion oder das Dehydroepiandrosteron (DHEA oder SDHEA)

Welches sind die Symptome der Hyperandrogenämie?

Dieser Überschuss an Produktion von Androgenen bei der Frau ist mit verschiedenen Symptomen verbunden, von denen viele typisch für den Mann sind:

  • Akne und Seborrhö
  • Hirsutismus oder Behaarung an für Androgene empfindlichen Bereichen wie dem Gesicht, dem Rücken, dem Bauch und der Brust
  • Haarausfall: typischerweise beginnt er am Scheitel und erstreckt sich bis zur Stirn
  • Virilisierung: Hypertrophe Klitoris, tiefe Stimme, männliche Muskelausbildung.
  • Amenorrhö oder unregelmäßige bzw. ausbleibende Regelblutung
  • Sterilität
  • Höhere Veranlagung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen

Welches sind die Ursachen der Hyperandrogenämie?

Die Androgene werden bei der Frau hauptsächlich in zwei Organen produziert: den Eierstöcken und den Nebennieren. Je nachdem, welches Androgen in der höchsten Konzentration vorgefunden wird, und je nach Symptomatik können der mögliche Ursprung der Krankheit sowie deren Diagnose und Behandlung festgelegt werden.

Hyperandrogenämie ovariellen Ursprungs:

Normalerweise ist die Konzentration an Androstendion hoch. Die Hauptursache der Hyperandrogenämie (70% der Fälle) ist das polyzystische Ovarialsyndrom. Diese Patientinnen suchen die Sprechstunde normalerweise wegen unregelmäßiger oder ausbleibender Menstruationszyklen aufgrund von Eisprungstörungen auf, verbunden mit Akne, Hirsutismus, Haarausfall o.ä. In der transvaginalen Ultraschalluntersuchung während der Untersuchung werden beide Eierstöcke mit vielfachen Antralfollikeln beobachtet, die sich typischerweise an der Eierstockrinde befinden.

Einige Eierstocktumoren können klinisch auch zu einer Hyperandrogenämie führen, wenngleich dies viel seltener vorkommt.

Hyperandrogenämie suprarenalen Ursprungs:

Bei der suprarenal (durch die Nebennieren) hervorgerufenen Hyperandrogenämie ist der DHEA– oder SDHEA-Spiegel erhöht. Hauptursachen sind die kongeniale adrenale Hyperplasie, das Cushing-Syndrom oder einige Tumoren suprarenalen Ursprungs.

Die kongeniale adrenale Hyperplasie ist eine Störung genetischen Ursprungs, bei der eine Mutation in einigen der Enzyme vorliegt, welche Steroidhormone metabolisieren. Dies führt zu einer Ansammlung von Androgenen im Blut.

Wie können wir die Hyperandrogenämie diagnostizieren?

Die wichtigsten Werkzeuge für eine korrekte Diagnose einer Patientin mit Hyperandrogenämie sind:

  1. Man muss immer mit einer ausführlichen Krankengeschichte beginnen. Erforschung der familiären Vorgeschichte, Evolution der Symptomatik, Menstrualmuster…
  2. Anschließend ist es obligatorisch, eine umfassende körperliche und gynäkologische Untersuchung vorzunehmen. Lokalisierung und Menge an Körperbehaarung, Akne, Auftreten von Haarausfall sowie Wiegen und Messen der Patientin. Abschließend erfolgt eine gynäkologische Untersuchung der äußeren Genitalien und eine transvaginale Ultraschalluntersuchung.
  3. Es wird eine Blutanalyse mit Hormonalmarkern angeordnet.
  4. Im Falle des Verdachts auf Hyperandrogenämie suprarrenalen Ursprungs werden weitere Bildtechniken wie die Kernspintomographie angeordnet.
  5. In einigen Fällen sind spezifische Tests mit Hormonstimulation oder Hormonsuppression indiziert.

Wie wird die Hyperandrogenämie behandelt?

Die wichtigste Behandlung der Hyperandrogenämie beruht auf verschiedenen Strategien:

  1. Pharmakologische Behandlung:  Die wichtigsten in der klinischen Praxis verwendeten Medikamente sind:
    • Antiandrogene: Cyproteronacetat, Spironolacton, Flutamid oder Finasterid
    • Verhütungsmittel
    • Bei Patientinnen mit kongenialer adrenaler Hyperplasie erfolgt eine orale Verabreichung von Kortikosteroiden.
  2. Falls Fettleibigkeit vorliegt, ist es wichtig, gesunde Lebensgewohnheiten anzunehmen (mediterrane Diät, regelmäßige sportliche Betätigung).
  3. Behandlung des Hirsutismus durch Laser-Haarentfernung
  4. Im Falle von Tumoren kann eine chirurgische Beseitigung erwogen werden

Kann ich mit Hyperandrogenämie Mutter werden?

Die Antwort es: ja. Zunächst muss die Ursache der Hyperandrogenämie diagnostiziert und, falls möglich, behandelt werden. Bei Patientinnen mit polyzystischem Ovarialsyndrom ist die Hauptursache der Sterilität ein anhaltendes Ausbleiben des Eisprungs. Medikamente, die den Eisprung induzieren, können bei diesen Patientinnen hilfreich sein.

Können wir die Hyperandrogenämie verhindern?

Leider ist die Prävention in den meisten Fällen kompliziert.

Wenn die Ursache der Hyperandrogenämie eine kongeniale adrenale Hyperplasie ist, ist es unverzichtbar für das Paar, eine passende genetische Beratung einzuholen, bevor eine Schwangerschaft angestrebt wird, um zu verhindern, dass die Nachkommen die Krankheit entwickeln.

In Fällen, bei denen Fettleibigkeit vorliegt, können die Symptome durch gesunde Lebensgewohnheiten korrigiert werden.

Ist die Androgenämie erblich?

Ja, die kongeniale adrenale Hyperplasie  ist eine Erbkrankheit, die mit verschiedenen Mutationen assoziiert ist, welche an unsere Kinder übertragen werden können, wobei diese die Krankheit entwickeln.

Im Falle von anderen Krankheiten wie dem polyzystischen Ovarialsyndrom kann die Vererbung vielfältige Ursachen haben, auch wenn genetische Faktoren vorliegen können, die damit assoziiert sind.

Dr. Cristina García-Ajofrín, Gynäkologin am Instituto Bernabeu

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