Fettleibigkeit und Fruchtbarkeit -Instituto BernabeuAusmaß des Problems

Die Fettleibigkeit ist ein Problem der öffentlichen Gesundheit, sowohl bei der allgemeinen Bevölkerung, als auch bei Frauen im fruchtbaren Alter. Die entsprechenden Zahlen weisen darauf hin, und das Problem nimmt in den letzten Jahren sogar zu.

Die Fettleibigkeit von Müttern lag in den Vereinigten Staaten bei 7% im Jahre 1980, und hat sich bis 1999 auf 24% erhöht. Wenn wir Fettleibigkeit und Übergewicht betrachten, weisen die verfügbaren Daten auf 37,1% im Jahre 1999 und 40,5% im Jahre 2003 hin.

Die NHANES-Studie (National Health and Nutrition Examination) zeigt bei Frauen im gebärfähigen Alter (20 bis 39 Jahre) einen Anteil an Fettleibigen (BMI: Body-Mass-Index ≥ 30 kg/m2) von 31,9%.

Kurzum, jede dritte Frau im fruchtbaren Alter ist fettleibig.

Auswirkungen der Fettleibigkeit auf die Fruchtbarkeit

Die meisten Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen der Zunahme des BMI und der “Subfertilität” auf.

Die Fruchtbarkeitsprobleme bei fettleibigen Frauen hängen in den meisten Fällen mit Funktionsstörungen beim Eisprung zusammen, und in einigen Fällen mit einem Polyzystischen Ovarialsyndrom. Außerdem muss betont werden, das bei Frauen mit “normalen” Ovulationszyklen die Fettleibigkeit an sich mit einer niedrigeren Rate an spontanen Schwangerschaften und einer Erhöhung der Zeit der Suche nach der Schwangerschaft einhergeht (ein wichtiger Faktor heutzutage, da die Mutterschaft auf Grund von gesellschaftlichen Einflüssen immer später eintritt). Es gibt Untersuchungen, die beweisen, dass der Anti-Müller-Hormon-Spiegel (das Hormon, das Auskunft über die ovarielle Reserve gibt) bei fettleibigen Frauen von 18 bis 35 Jahre mit “normalen” Ovulationszyklen um 34% niedriger als bei Frauen mit normalem Körpergewicht ist.

Dies bedeutet, dass fettleibige Frauen, selbst wenn sie sich anscheinend normale Zyklen bewahren, mehr Schwierigkeiten haben werden, eine spontane Schwangerschaft zu erzielen. Es dauert länger bei ihnen, und ihnen bleibt außerdem weniger Zeit dafür, da es scheint, dass sie eine niedrigere ovarielle Reserve haben.

Induktion des Eisprungs bei fettleibigen Frauen

Es liegen widersprüchliche Daten vor; einige Arbeiten folgern, dass die Ergebnisse der Behandlungen bei fettleibigen Frauen schlechter sind (unzureichende Follikelentwicklung, geringere Anzahl an Eizellen), während andere zu ähnlichen Ergebnissen bei fettleibigen und nicht fettleibigen Frauen kommen, und nur auf die Notwendigkeit hinweisen, höhere Medikamentendosen für die Induktion des Eisprungs zu verwenden.

Therapie der Künstlichen Befruchtung (TRA) für fettleibige Frauen

Die diesbezüglichen Daten scheinen darauf hinzuweisen, dass es eine Zunahme des Scheiterns der TRA (IVF: In-vitro-Fertilisation; ICSI: Intrazytoplasmatische Injektion) in dem Maße gibt, in dem sich das BMI der Frau erhöht, und dies wurde mit der schlechteren Qualität der erzielten Eizellen, einer schlechteren ovariellen Reaktion, einer schlechteren Qualität des Endometriums oder einer Kombination aus diesen Faktoren in Verbindung gebracht.

Eine Meta-Analyse, bei der 48.000 IVF/ICSI-Zyklen analysiert wurden, bestätigt eine niedrigere klinische Schwangerschaftsrate, eine niedriger Rate an Lebendgeborenen und eine höhere Fehlgeburtenrate bei Frauen mit BMI > 25 kg/m2,, verglichen mit Frauen mit normalem BMI. Nicht bewiesen wurde eine Zunahme anderer Komplikationen, wie ektopische Schwangerschaften, Hyperstimulationssyndrom usw.

Die Auswirkungen der Fettleibigkeit auf die Implantations- und Fehlgeburtenrate bei fettleibigen Frauen, die Empfängerinnen von Eizellen sind, wird noch untersucht, und die vorläufigen Daten zeigen widersprüchliche Ergebnisse, weshalb die Frage, ob der Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und “Subfertilität” auf Funktionsstörungen der Eierstöcke, auf die Qualität der Eizellen oder auf die Empfänglichkeit des Endometriums zurückzuführen ist, weiter ungelöst bleibt. Der letztgenannte Faktor scheint wichtig zu sein, da einige Untersuchungen zeigen, dass eine Gewichtsabnahme bei fettleibigen Frauen mit wiederholten Fehlgeburten die Möglichkeit, eine erfolgreiche Schwangerschaft nach der Gewichtsabnahme zu erzielen, erhöht.

Empfehlungen

In zahlreichen Studien wurde beobachtet, dass die Gewichtsabnahme bei fettleibigen Frauen mit Fruchtbarkeitsproblemen die Häufigkeit des Eisprungs und die Möglichkeit einer Schwangerschaft verbessert. Daher scheint es empfehlenswert, dass jede fettleibige Frau mit Schwangerschaftswunsch sich von einem Team von Spezialisten beraten lässt, um eine Bewertung ihres Falles vorzunehmen, unter Berücksichtigung aller beteiligter Faktoren (Alter der Mutter, ovarielle Reserve, Ausmaß des Problems der Fettleibigkeit und mögliche Konsequenzen u.a.) und so eine Strategie mit realistischen, individualisierten Zielen und im Einklang mit ihrem Kinderwunsch zu entwerfen.

Frau Dr. Pino Navarro, Endokrinologin. Leiterin der Abteilung Endokrinologie und Ernährung am Instituto Bernabeu

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